#WEDDINGCOLUMN: BrideWars – Warum ich Facebook-Gruppen den Rücken gekehrt habe

Zu aller erst: Ich möchte hier niemanden persönlich angreifen. Falls du dich dennoch angegriffen fühlen solltest, passt du genau hierher, denn du bist das Problem.

Anfangs war ich in meiner Hochzeitsblase mehr oder weniger alleine. Klar, man redet ständig darüber, aber Inspirationen holt ich mir im Netz: Pinterest ist hier meine erste Anlaufstelle. Dicht dahinter Instagram.

Schon ewig wusste ich wie in etwa ich heiraten möchte. Angelehnt an den Boho-Stil suchte ich also nach den verschiedensten Inspirationen. Doch das reichte mir irgendwann einfach nicht mehr. Ich wollte in realen Austausch mit anderen Bräuten gehen, die ähnliche Vorstellungen hatten.

« Boho? Was ist das? »

 

Ich suchte dann bei Facebook nach verschiedensten Gruppen. Es gibt viele. Sehr viele. ZU VIELE.

Also klickte ich auf „Gruppe beitreten“ und schon bald war ich in sehr vielen Gruppen Mitglied. Manche von ihnen haben über 1000 Mitglieder. Anfangs war ich begeistert: Viele Inspirationen und Ideen, freundlicher Austausch und kaum Werbung, da diese in den meisten Gruppen zu 100% gelöscht werden. Die Ernüchterung kam jedoch ziemlich schnell:

Photobox, Freudentränen, Seifenblasen, klassische Hochsteckfrisur, A-Linie. Dazu noch ein ganzer Haufen „X klappt nicht, Y kommt nicht und Z nervt mich.“ Zum Teil auch sehr private Themen und in den Kommentaren werden Grundsatzdiskussionen geführt oder andere Personen gar beleidigt. Nun gut, das kennt man ja auch aus anderen Gruppen.

Mein erster Post: Wer heiraten auch im Boho-Stil? Komischerweise bekam ich darauf kaum eine Antwort. Eine Antwort war sogar die Frage, was das denn bitte sein soll? Mit Blick auf Pinterest und Instagram fragte ich mich, wie das sein kann. Das frage ich mich übrigens immer noch…

Daher gab es in Bezug auf meine Anliegen nie wirklich einen Austausch. Was eher noch als Antwort kam: „Also wir machen sowas nicht. Wir heiraten so und so…“ Schön für dich, aber das hilft mir nicht weiter. Generell waren dies auch immer die gleichen Damen, weswegen man schon die Augen verdreht hat, wenn man nur den Namen sah. Ja, ihr habt nicht so viel Geld und deswegen findest du alles überflüssig, was andere machen.

« Es soll um die Liebe gehen und nicht um eine überteuerte Party. »

Auf der anderen Seite gab es dann auch wieder die sehr übertriebenen Hochzeiten, bei denen man fast vor Neid erblassen könnte. Bei den Preisen fragt man sich jedoch tatsächlich: Lohnt es sich für einen Tag? Das muss jedoch jeder für sich selbst wissen. Die Kommentare könnt ihr euch denken: Irgendjemand wusste es immer besser.

Einmal stellte ich sogar eine ganz konkrete Frage zur Anmeldung zu Eheschließung beim Standesamt. Man könnte meinen, dass das doch eine einfache Frage ist, da das schließlich alle machen müssen und viele auch schon hinter sich hatten. Ich hatte vorher Google gefragt, allerdings keine eindeutige Information erhalten.

„Darf die Abschrift aus dem Geburtenregister bei der Anmeldung nicht älter als sechs Monate sein oder am Tag der Eheschließung?“ Die einen sagten so, die anderen so. Dabei fragte ich extra in der Facebook-Gruppe für Stuttgart. Nun ja, am Ende habe ich dann doch direkt beim Standesamt nachgefragt (Hätte ich mal mehr gefragt: bei der Anmeldung fehlten von mir tatsächlich noch verschiedenste Unterlagen).

In Stuttgart darf sie übrigens bei der ANMELDUNG nicht älter als sechs Monate sein. Falls das für euch auch ein Thema sein sollte 😉

Kurz bevor ich mich löschte – den Gedanken hatte ich schon einige Zeit – habe ich mich entschlossen mein Kleid zu zeigen. Warum ich das gemacht habe: Ich wurde langsam verrückt, da ich außer ganz wenigen Personen das Kleid nicht zeigen durfte. Ich wollte jedoch noch mehr Meinungen hören. Obwohl wenn man ehrlich ist: Ich wollte nur positive Kritik hören. Einfach eine Bestätigung, dass ich mich richtig entschieden habe.

Ich hatte tatsächlich Angst es zu posten. Was tut man, wenn es niemandem gefällt? Denn eins kann ich euch verraten: Es ist keine klassische A-Linie. Das Feedback war jedoch überwältigend! Was mich noch immer sehr froh macht. Doch auch wieder hier ein Kommentar, welches genau das Problem widerspiegelt (den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr):

« Ganz schön, aber mir persönlich gefällt so etwas ja überhaupt nicht. »

Was sagt mir nun dieses Kommentar? Im Prinzip fand es diese eine Person nicht schön. Ist auch vollkommen ok. Sehen wir es aber mal von der anderen Seite: Mir hat in diesen Gruppen noch nie ein Kleid nur ansatzweise gefallen. Was habe ich gemacht: Geliked. Und eben kein Kommentar hinterlassen. Niemand möchte hier ein negatives Kommentar hören.

Natürlich kann man jetzt fragen, wieso man es überhaupt online stellt, wenn man nicht mit der Kritik umgehen kann? Ok, man muss damit rechnen. Gleichzeitig frage ich mich aber auch: Ist Empathie wirklich so schwer?

In zwei Gruppen bin ich übrigens trotzdem noch, schaue aber kaum noch rein:

In einer Gruppe für September-Bräute und Stuttgarter Heiratswillige.

Was mich jedoch noch immer begeistert ist der Austausch auf Instagram. Hier gibt es viele Mädels, die eigens für die Hochzeitsvorbereitungen einen Account erstellt haben. Ich finde die sehr persönlichen Eindrücke der Planung und Organisation sehr hilfreich für die eigenen Vorbereitungen. Vor allem da die ein oder andere Braut einige zeit vor mir unter die Haube kommt. Man baut eine virtuelle Beziehung auf und fiebert richtig mit! Mit der ein oder andern kommt man auch in den privaten Austausch, was fern ab von anonymen Gesichtern auf Facebook auch viel angenehmer ist.

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